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Wilhelm Trübner

* 1851 – † 1917

Selbstportrait nach rehts, 1876

Öl auf Leinwand
55,5 cm46 cm

Oben rechts signiert (in Rot): W. Trübner Verso: Klebeetikett mit No. 2489

Selbstportrait nach rehts, 1876

Selbstbewusst tritt uns der junge Wilhelm Trübner vor einheitlich schwarzem Fond mit auffällig wachem, hellem Blick entgegen, die rechte Augenbraue leicht hochgezogen zum Betrachter blickend. Der Vortrag ist altmeisterlich, wie es dem Kreis um Wilhelm Leibl, mit dem Trübner durch die Freundschaft zu Albert Lang1 und Carl Schuch2 zu Beginn der 1870er Jahre in Berührung kam, eigen ist.3 Ab dem Frühjahr 1869 war Trübner an der Münchener Kunstakademie eingeschrieben und konnte im Sommer die 1. Internationale Kunstausstellung im Glaspalast4 sehen, die er als „[…] die beste aller dort abgehaltenen Ausstellungen dieser Art […]“5 bezeichnete und die eine Fülle an Werken deutscher und französischer Gegenwartskunst bot. Dort fielen ihm besonders Hans Canon6 und Wilhelm Leibl auf, von denen er sich ein Weiterkommen im Porträtfach versprach. Er verließ München, um in Canons Stuttgarter Atelier Unterricht zu nehmen. Er sollte nicht enttäuscht werden, wie seinen Lebenserinnerungen entnommen werden kann: „Hier erhielt ich einen privaten Unterricht im Zeichnen und Malen, wie er nur von einem Meister ersten Ranges erteilt werden kann.“7 Und weiter: „Er besaß die gründlichste Kenntnis der alten Meister […] Die Köpfe, also gerade das, was ich lernen wollte, waren immer mit größter Meisterschaft und seltenem Können nach der Natur gemalt [...]“8 Ein Porträt des jungen Wilhelm Trübner in historisierender Kleidung mit breitem Spitzenkragen und rotem Barett9 von Hans Canon scheint unserem Selbstbildnis in der nach rechts gewendeten Pose sowie dem gewählten Ausschnitt verwandt. Hans Canon wie auch Wilhelm Leibl prägten Trübners Bildnismalerei in hohem Maß. Leibl war insbesondere von der Porträtkunst der Niederländer Frans Hals, Anthonis van Dyck und Peter Paul Rubens beeindruckt, die er auf einer Ausstellung Alter Kunst in München 1869 studiert hatte.10 Georg Jacob Wolf, der sich bereits früh mit dem Leibl-Kreis befasste, stellte heraus, dass vor allem die „Halskrausen-Bilder“ 11 die Auseinandersetzung mit den Alten Meistern im Leibl-Kreis belegten,12 wobei der seit dem 16. Jahrhundert den höheren Stand kennzeichnende Spitzenkragen nun einem nüchternen Stehkragen wich, der ein charakteristisches Gestaltungselement im bürgerlichen Porträt blieb: „Dieses Weiß als Träger farbiger Reflexe schien […] ganz besonders geeignet, das Inkarnat zu variieren und diesem als Folie zu dienen.“ 13 Bezeichnenderweise befand sich in Trübners Besitz Leibls Rothaariger Junge, eine Porträtstudie en face mit breiter Halskrause,14 da er sich auch selbst mit diesem Porträttypus befasste15. Eine auffallende Intensität kennzeichnet das Selbstbildnis des etwa Fünfundzwanzigjährigen, das von Rohrandt dem Jahr 1876,[^Rohrandt, Klaus: Wilhelm Trübner (1851–1917). Kritischer und beschreibender Katalog sämtlicher Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik. Biographie und Studien zum Werk [Phil. Diss. Kiel 1972], Bd. 2 Teil 1, S. 157. Rohrandt vermerkt irrtümlich, das Bild sei rückseitig 1876 datiert.] innerhalb der ersten Schaffensperiode Wilhelm Trübners, zugeordnet wird. Eine verwandte, unser Bild vorbereitende Fassung, rückseitig 1876 datiert, tauchte unlängst auf dem Auktionsmarkt auf.16 Jedoch unterscheidet sie sich in der Gesamtwirkung, abgesehen von der sehr studienhaften Ausführung, durch eine starke Verschattung der Gesichtspartien, wodurch die Unmittelbarkeit, die sich in unserem Bild äußert, nicht erzielt wird und eine größere Distanz zum Betrachter entsteht. Auch lässt vorliegende Fassung weit deutlicher die Kleidung des Dargestellten als Sakko mit breitem Revers erkennen.

Das Gemälde wurde im Zuge einer gütlichen Einigung mit den Erben von Berthold und Martha Nothmann 2011 restituiert und anschließend auktioniert.17


  1. Albert Lang (Karlsruhe 1847–1933 München).

  2. Carl Schuch (Wien 1846–1903 ebenda).

  3. Vgl. Holsing, Henrike: Wilhelm Leibl und sein Kreis – Eine kurze Geschichte des „Rein Malerischen“, in: Kat. Ausst. Rein Malerisch. Wilhelm Leibl und sein Kreis, Museum im Kulturspeicher, Würzburg 2013/2014, S. 17 ff.

  4. http://daten.digitale-sammlungen.de/0000/bsb00001760/images/index. html? fip=193.174.98.30&id=00001760&seite=1. 5 Trübner, Wilhelm: Personalien und Prinzipien, Berlin 1907, S. 11.

  5. Trübner, Wilhelm: Personalien und Prinzipien, Berlin 1907, S. 11.

  6. Hans Canon (Wien 1829–1885 ebenda).

  7. Trübner 1907, S. 12.

  8. Ebd., S. 12–13.

  9. Hans Canon: Wilhelm Trübner in historisierender Kleidung, Öl auf Leinwand, 49,5 x 35,5 cm, Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg (Inv.-Nr. G 1924).

  10. Wolf, Georg Jacob: Leibl und sein Kreis, Hannover 1924, S. 76.

  11. Diese Bezeichnung verwendet Wolf, ebd., S. 75.

  12. Vgl. Wolf, ebd.

  13. Ebd., S. 76.

  14. Abb. in Waldmann, Emil: Wilhelm Leibl. Eine Darstellung seiner Kunst. Gesamtverzeichnis seiner Gemälde, Berlin 1914, Nr. 85.

  15. Vgl. Junge mit Halskrause, Öl auf Leinwand, 41,5 x 33,5 cm, signiert rechts unten: W. Trübner, Belvedere Wien, Inv.-Nr. 3665.

  16. Wilhelm Trübner: Selbstbildnis, Öl auf Leinwand, 55,3 x 46,1 cm, oben rechts in Rot signiert: W. Trübner, Auktionshaus Ketterer, Auktion 465, Los-Nr. 63, München 18.05.2018.

  17. Siehe Eintrag bei Lostart: http://www.lostart.de/Webs/DE/Datenbank/ EinzelobjektSucheSimpel.html?cmsparam=EOBJID%3D297659%26 SUCHEID%3D26147041%26page%3D3%26sort%3D%26anchor %3Dresult.

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