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Viktor Müller

* 1829 – † 1871

Laubbäume

Öl auf Leinwand auf Karton aufgezogen
33,5 cm28,8 cm

Unten rechts monogrammiert: V M

Laubbäume

Laubbäume, die sich herbstlich zu färben beginnen, nach rechts hin zu Wald verdichten und ins Ungewisse verlieren. Von unten hebt sich der morgendliche Dunst, zur Linken über einem reifenden Kornfeld und ferne Höhenrücken zum leicht bewölkten Himmel. Dessen munteres Weißblau bildet die Folie, auf die die Phrasierung der Halbtöne in aller Delikatesse antwortet: getragen von Nuancen in Oliv, Ocker und Braun. Die von Farbe und Sujet ausgehende Ruhe wird dem Auge aber nicht gegönnt, wozu allerhand Kunstgriffe beitragen. Der Bildausschnitt wirkt zufällig, die Stämme und Kronen sind oben und unten gekappt. Kaum eine durchgehende Linie. Weder Pinselduktus noch Farbsetzung folgen einer Systematik, beides deutet nur an, verweist: Derselbe Ton kann Nähe und Ferne signalisieren. Alles ist Übergang – Bildfläche, die erst im Auge des Betrachters Relief gewinnt, und zugleich Textur, die die verschiedenen Ebenen in der Schwebe hält. Im Kolorit, in dessen samtigem Schmelz ist dabei nicht nur die Nähe zum Zirkel von Barbizon evident, etwa zu Narcisse Diaz oder Théodore Rousseau, sondern auch zu Thomas Couture, bei dem Victor Müller von 1851 bis 1858 studierte. Landschaftsstudien von seiner Hand sind rar und infolgedessen chronologisch schwer einzuordnen. Ob diese Studie während oder nach Victor Müllers Jahren in Paris und Frankreich anzusetzen ist, bleibt somit ungewiss – möglich scheint beides.1 Gewichtiger sind ohnehin die Unbefangenheit, mit der sich hier Malerei als Prozess der schrittweisen Annäherung an Realität definiert, und die Rigorosität, mittels derer der Betrachter auf die eigene Wahrnehmung verwiesen wird und auf deren Subjektivität.


  1. Ring, Christian: Die Entdeckung des „Nicht-Motivs“, in: Kat. Ausst. Magie des Augenblicks. Museum Giersch Frankfurt 2009, Petersberg 2009, S. 204. Nach mündlicher Mitteilung vermutet Evelyn Lehmann die Entstehung in Frankreich. Demnach wäre das Bild zeitlich zwischen 1850–1858 einzuordnen.

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