Johann Jakob Frey
Landschaft in der Nähe von Rom, um 1835

En plein air gibt Johann Jakob Frey vorliegende Landschaft auf Papier in der Umgebung von Rom wieder. Sein gewählter Bildausschnitt mit den flankierenden, die Tiefe staffelnden Baumgruppen verrät die Wurzeln des Künstlers in einer klassischen Landschaftsauffassung. Die Vegetation selbst wird hingegen mit freier Pinselführung erfasst. Was sich im zarten Wechsel von hellen und verschatteten Partien in der Ebene schon andeutet, findet in den Wolken seinen Höhepunkt: die Faszination des Malers für das Licht. Von der Sonne hell angeleuchtete Wolkentürme steigen dynamisch über den Bergen empor und heben sich von den sie umgebenen dunklen Wolken ab. In dieser vermutlich bereits in seinem ersten Jahr in Italien entstandenen, vollends durchgearbeiteten Ölstudie thematisiert der Künstler, was ihn im Besonderen in der vorgefundenen Natur fesselte – die Interaktion des Lichts mit der Landschaft in einer sich stetig verändernden Troposphäre. Freys Weg führte ihn nach seiner Ausbildung beim Vater und dem Maler Hieronymus Hess1 in Basel zunächst nach Paris, wo er als Restaurator arbeitete und im Louvre vorrangig niederländische Landschaften des 17. Jahrhunderts studierte. 1834 wird Frey in München mit der Malerei von Georg von Dillis und Carl Rottmann2 in Kontakt kommen, bevor er im folgenden Jahr nach Rom übersiedelte. Die ewige Stadt sollte dauerhaft zu seiner Heimat werden.3 Seine erste Unterkunft bezog Frey in der Via di S. Isidoro, die heutige Via degli Artisti, eine der bevorzugten Wohnstraßen deutschsprachiger Künstler dieser Zeit.4 So verwundert es nicht, dass Maler wie Joseph Anton Koch oder Johann Christian Reinhart,5 welche maßgeblichen Einfluss auf die Landschaftsauffassung dieser Zeit in Rom hatten, den jungen Schweizer prägten.6 Freys Arbeit in Rom war von großem Erfolg begleitet. Sein Atelier zog ein internationales Publikum an und zu seiner Kundschaft gehörten unter anderem gekrönte Häupter wie König Luwig I. von Bayern und der preußische König Friedrich Wilhelm IV.7 Diesem Ruhm verdankte er auch die Teilnahme als Zeichner auf der 1842 beginnenden Ägypten-Expedition der preußischen Akademie der Wissenschaft unter der Leitung von Richart Lepsius,8 welche er aus gesundheitlichen Gründen allerdings abbrechen musste.9 Die vorliegende großformatige Studie verblieb zu Lebzeiten im Besitz des Künstlers, welches ihre Bedeutung als Referenz und wertvolle Erinnerungsstütze für andere im Atelier realisierte Gemälde hervorhebt. Wie bei zahlreichen weiteren Studien Freys, aber auch anderer Künstler, wurden solche Arbeiten weder datiert noch signiert, da sie – oder gerade, weil sie – nicht für den Verkauf vorgesehen waren. Freys künstlerischer Nachlass stellt eine Besonderheit dar, sollten seine Studien nach seinem Tod für lange Zeit im Familienbesitz bleiben und erst ab den frühen 1970er-Jahren bzw. wie in unserem Fall durch eine Publikation 2017 einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.10
Fußnoten
-
Der Zeichenlehrer, Maler, Grafiker und Radierer Samuel Frey (1785–1836) und Hieronymus Hess (1799–1850). ↩
-
Johann Georg von Dillis (1775–1852) und Carl Anton Joseph Rottmann (1797–1850). ↩
-
Hajan, M: Frey, Johann Jakob, in: Sauer Allgemeines Künstlerlexikon, München/Leipzig 2005, Bd. 44, S. 512f. ↩
-
Kat. Ausst. Johann Jakob Frey /1813–1865. A Swiss Painter in Italy, Wheelock Whitney & Company New York 1985, New York 1985, o. S. ↩
-
Joseph Anton Koch (1768–1893) und Johann Christian Reinhart (1761–1847). ↩
-
Kat. Ausst. A Collection of Drawings and Paintings by Johann Jakob Frey 1813–1865, Maltzahn Gallery London 1974, London 1974, S. 1. ↩
-
Ludwig I. von Bayern, seit 1825 König von Bayern (1786–1868), und Friedrich Wilhelm IV., seit 1840 König von Preußen (1795–1861). ↩
-
Der Ägyptologe, Sprachforscher und Bibliothekar Karl Richard Lepsius (1810–1884) gilt als Wegbereiter der modernen Ägyptologie in Deutschland. ↩
-
Sauer S. 512. ↩
-
Kat. Ausst. Johann Jakob Frey /1813–1865. A Swiss Painter in Italy, Wheelock Whitney & Company New York 1985, New York 1985, o. S. ↩