zurück zur Übersicht

Gustav Schönleber

* 1851 – † 1917

Bogliasco (an der Riviera)

Öl auf Leinwand
87 cm68 cm

Signiert und datiert unten rechts:

G. Schönleber, 1886

Bogliasco (an der Riviera)

So kurios sie auch begann, letztlich verlief Schönlebers Karriere steil und bruchlos. Auf einem Auge blind, begann er eine Ausbildung zum Maschinenbauer, und als das blinde Auge entfernt werden musste, gestattete man ihm zu tun, was ihm seit jeher Spaß machte – zu zeichnen und zu malen: ab Herbst 1870 bei Adolf Lier in München, in dessen Atelier er Aufnahme fand, weil er „noch auf keiner Akademie verdorben worden sei.“1 Lier, geprägt von Studienaufenthalten in Paris und Barbizon, ließ seinen Schülern viel Spielraum. Schönleber nutzte ihn, um zunächst Venedig zu erkunden, sammelte im Frühsommer 1872 anlässlich eines Aufenthalts bei einem in Genua ansässigen Onkel erste Eindrücke von der Riviera. Zunächst habe er aber, wie Schönleber rückblickend konstatierte, „doch nichts anzufangen gewußt mit der üblichen italienischen Schönheit, dem blauen Himmel, nur beim, schlechten‘ Wetter gefielen mir meine Skizzen besser und interessierte mich die Natur mehr.“ebd. Abhilfe brachte eine Studienreise rheinabwärts, im Sommer 1873 nach Dordrecht, Rotterdam, Scheveningen. Seither war ihm Vermeers Ansicht von Delft die Messlatte, „sowie Studien bei Mesdag“, einem führenden Künstler der Haager Schule.ebd. Der gemeinsame Nenner war die Farbe – Farbe als Pigment, als Materie, deren visuelles Potential ausgelotet, fruchtbar gemacht sein wollte. Der Blick über Bogliasco, gelegen auf halbem Weg zwischen Genua und Rapallo, resümiert die Erfahrungen, die Schönleber mittlerweile diesbezüglich gesammelt hatte: Von der Steilküste oberhalb des Orts schweift der Blick weit hinaus aufs Meer, im Sturzbach, der dem Ort den Namen gibt, steht noch ein wenig Wasser, am Strand hinter der „antiken“ Brücke wird Wäsche gebleicht. Leichte Brandung, ein Segelboot künden von Südwind und milder Luft, überall regt sich Leben und über all dem ergießt sich Licht in vielfältigsten Nuancen, gleißend auf den Dächern, duftig im erwachenden Grün, in den Schatten volltonig und sonor. Ein Fest fürs Auge. Als „vorzüglich gelungen“2 lobte die Kunstkritik dieses Gemälde anlässlich der Ausstellung 1886 in Karlsruhe.ebd. Wenig später war „das besonders hervorragende Bild, Bogliasko an der Riviera“[^Mthr. [Muther, Richard]: Korrespondenz aus München, in: Kunstchronik 22, H. 30, 05.05.1887, S. 486.] im Münchener Kunstverein zu sehen und „wurde für die Sammlung des Prinzregenten [Luitpold von Bayern] angekauft.“ebd.


  1. Schönleber, Gustav: Notizen zu meinem Leben, in: Die Rheinlande, 11. Jg., H. 1., Januar 1906, S. 1–8.

  2. Ausstellungen, Sammlungen, etc.: Karlsruhe, in: Die Kunst für Alle 2, H. 8, S. 124.

zurück zur Übersicht