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Eugen Klimsch

Allegorie auf „Handel“ und „Kunst“

Aquarell und Gouache auf Pergament
11,8 cm16,2 cm

Unten rechts signiert: Eugen Klimsch fec.

Allegorie auf „Handel“ und „Kunst“

Man kennt Eugen Klimsch, der bei Jakob Becker am Städel und Andreas Müller (Komponier-Müller) an der Münchener Akademie ausgebildet worden war, u. a. als Wandbildmaler1 und Illustrator deutscher Märchen und Dichtungen.2 Dass Klimsch auf dem Gebiet der Miniatur ein Könner war, bestätigen die Ausführungen Ernst Ph. J. Hallensteins,3 der sie mit den großen dekorativen Kompositionen Hans Makarts vergleicht und feststellt:4 „Es erscheint uns, als ob wir ein grosses Makart'sches Gemälde durch ein Verkleinerungsglas betrachteten.“5 Makart und Klimsch waren im selben Alter und hatten sich möglicherweise in München kennengelernt, wo Makart bei Piloty studierte. Offenbar befasste sich Klimsch intensiv mit Bildschöpfungen und Malstil des Österreichers,6 und wohl auch nicht zufällig befand sich unsere Miniatur lange Jahre in Wiener Privatbesitz: „Das Erscheinen Makart's konnte begreiflicherweise bei der Farbenfreudigkeit, die bei Klimsch sich schon frühzeitig äußerte, nicht ohne Einfluss bleiben.“ebd. Trotz des beträchtlichen Größenunterschieds lohnt sich der Vergleich mit den dekorativen Malereien, die Makart beispielsweise für das sogenannte „Dumbazimmer“ schuf, etwa Handel und Industrie oder Landwirtschaft,7 beides ähnlich figurenreiche, mit Amoretten ausstaffierte Szenerien, in denen der Maler ein ganzes Füllhorn an Ideen und bereicherndem Zierrat ausschüttet. Klimsch hat die vorliegende Miniatur mit einer monochromen Trompe-l'œil-Architektur umfasst, in deren Nischen die Figurinen der Malerei und des Hermes untergebracht sind. Die farbstarke Komposition steigert sich zur Mitte, wo Hermes, flankiert von Pallas Athene mit Palette und Fortuna mit dem Lebensrad, erhöht sitzen, während ihnen von zahlreichen Putten Schätze aus aller Welt dargebracht werden. In der renaissancehaft durchkomponierten Szene verbinden sich die Gattungen Wandbild und Märchenillustration.

Eugen Klimsch muss zahllose Miniaturen auf Pergament und Elfenbein geschaffen haben, die sich internationaler Beliebtheit erfreuten. Hallenstein gibt u. a. Hinweise auf Allegorien der Jahreszeiten und des Tabaks, die der Maler für Frankfurter Industrielle fertigte.8 Auch bei dieser Miniatur könnte es sich um eine Auftragsarbeit handeln. Weniger wahrscheinlich ist es, dass die Darstellung als Entwurf zu einer größeren Dekoration diente.


  1. Etwa Deckenmalerei im Großen Saal des Gesellschaftshauses im Palmengarten in Frankfurt am Main.

  2. Als Beispiel sei Goethes „Dichtung und Wahrheit“ genannt.

  3. Ernst Philipp Jakob Hallenstein (1836–1896) war ein Frankfurter Architekt und Kunsterzieher, der einen Aufsatz über Eugen Klimsch verfasste: Hallenstein, Ernst Philipp Jakob: Professor Eugen Klimsch, in: Die Kunst unserer Zeit VII 1896, S. 45–61.

  4. Hans Makart (1840 in Salzburg – 1884 in Wien).

  5. Hallenstein 1896, S. 56.

  6. Ebd., S. 53.

  7. Für die Familie Dumba in Wien führte Makart 1871 insgesamt sieben allegorische Gemälde in Öl auf Leinwand aus. Abbildung: Frodl, Gerbert: Hans Makart, Monographie und Werkverzeichnis, Salzburg 1974, Nr. 157/1.

  8. Hallenstein 1896, S. 57.

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