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Eduard Wilhelm Pose

* 1812 – † 1878

Römische Campagna mit Aquädukt

Öl auf Leinwand
61 cm96 cm

Unten rechts signiert: E. W. Pose

Römische Campagna mit Aquädukt

Der römischen Campagna1 setzte nicht zuletzt Tischbein mit seinem berühmten Goethe-Porträt ein Denkmal.2 Die „Campagna“ als Motiv entwickelte sich innerhalb der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts zu einer nahezu eigenständigen Gattung, insbesondere bei den Romantikern und ihren Nachfolgern. Die unbegrenzte räumliche Weite, in der sich der Mensch verliert, vereinzelte Spuren eines untergegangenen Imperiums und nicht zuletzt eine gewaltige Natur mit wechselhaften Wetterphänomenen kamen den Idealen romantischer Naturbetrachtung entgegen. Exemplarisch sei hier das Unwetter in der Campagna von Carl Blechen genannt,3 auf das sich Poses gleichermaßen im gestreckten Querformat angelegtes Bild zu beziehen scheint. Vor der Silhouette der Sabiner Berge breitet Pose ein eindrucksvolles Panorama unter hoher Himmelszone aus. Im Mittelgrund stehen die Reste der Aqua Claudia, der antiken Wasserversorgung der Tiberstadt,4 die miniaturhaft in den Bildmittelgrund gerückt sind und so die Proportionen innerhalb des landschaftlichen Zusammenhangs für den Betrachter erfahrbar machen. Ein schweres Wetter naht von rechts mit dunklen, tief hängenden Wolken, aus denen Regen in Bahnen zur Erde fällt. Auch über den entfernt liegenden Bergen türmen sich mächtige Wolkenformationen, lassen jedoch der Sonne immer noch genügend Raum, ihr warmes Licht zu verströmen. Ein Schäfer treibt seine Schafherde an, um vor Ausbruch des Gewitters noch Schutz zu finden. Wieder fällt die Winzigkeit der Kreatur im endlosen Naturraum auf. Pose zeigt eine Natur, über die Wetter und Menschen hinwegziehen, sie mitformen, jedoch hat ihr der Mensch letzten Endes nichts Beständiges entgegenzusetzen, selbst imponierende Ingenieurleistungen nicht. Sehr wahrscheinlich entstand das durchkomponierte Werk nach Studien vor Ort im Frankfurter Atelier nach Poses Rückkehr aus Italien. Der Künstler hat die Campagna Romana öfter zum Bildgegenstand genommen, wie Werkbeispiele im Städel5 oder im Düsseldorfer Museum6 belegen. Beide scheinen in Bezug zu unserem Bild zu stehen, wobei das erstgenannte wohl eine direkte Vorstudie ist, das letztgenannte das Entstehungsdatum 1855 aufweist. Beide sind in Aufbau und Stimmung ähnlich und zeigen, dass Pose von Schirmer7 und Lessing, aber auch Rottmann Anregungen empfing.


  1. Der Begriff bezeichnet das römische Umland zwischen dem Tyrrhenischen Meer und dem Apennin.

  2. Heinrich Wilhelm Tischbein: Goethe in der Campagna (1786/1787, Städel Frankfurt am Main, Inv.-Nr. 1157).

  3. Carl Blechen: Unwetter in der römischen Campagna (1829, Nationalgalerie Berlin, Inv.-Nr. GK I 30145).

  4. Die Aqua Claudia stammt aus der Zeit des Kaisers Caligula (38 n. Chr.) und diente der Wasserversorgung Roms.

  5. E. W. Pose: Campagnalandschaft mit Ruinen römischer Aquädukte (Frankfurt am Main, Städel, Inv.-Nr. SG 236). Mareike Hennig wertet das Bild als Vorstudie zu unserem Gemälde, in: Kat. Ausst. Romantik im Rhein-Main- Gebiet. Museum Giersch Frankfurt am Main 2015, Petersberg 2015, S. 254.

  6. E. W. Pose: Campagna bei Torre di Quinto (1855, Museum Kunstpalast Düsseldorf, Inv.-Nr. 4074).

  7. Vgl. etwa Johann Wilhelm Schirmer: Heranziehendes Gewitter in der römischen Campagna (undatiert, Leopold-Hösch-Museum Düren, Inv.-Nr. 1948/330).

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