zurück zur Übersicht

Carl Hummel

* 1821 – † 1907

Reichenau bei Chur

Bleistift auf Papier
51,6 cm34,8 cm

Unten links bezeichnet, datiert und ssigniert: Reichneau b. Chur. 1856 C. Hummel.

Reichenau bei Chur

Über Carl Hummel ist nach wie vor wenig mehr bekannt, als Friedrich von Boetticher 1891 über ihn – „meist nach handschriftl. Mitteilungen des Künstlers“1 – mitzuteilen wusste: In den Jahren 1834–42 studierte er an der Weimarer Zeichenschule bei Friedrich Preller d. Ä. Ein vierjähriger Aufenthalt in Italien (1842–1846), der ihn über die üblichen Stationen bis nach Sizilien führte, schloss sich an. Danach ließ er sich in Weimar nieder, wo er 1859 zum Professor ernannt wurde. Das eine wie das andere wohl nicht von ungefähr, hatte Carl Hummel, Sohn des Weimarer Hofkapellmeisters Johann Nepomuk Hummel, doch seit seiner Rückkehr aus Italien ausgiebig die Kontakte zu dem höfischen Umfeld gepflegt, in dem er aufgewachsen war. Erwähnenswert war Boetticher zum einen der Umstand, dass Hummel „der damals [seit 1848] in Eisenach lebenden Herzogin Helene v. Orléans Malunterricht [erteilte], der ihm auch den Familienkreis seiner hochbegabten Schülerin öffnete“, und zum anderen der Aufenthalt Hummels in der Villa Carlotta am Comer See, einem Hochzeitsgeschenk Mariannes von Oranien-Nassau (1810–1883) an ihre Tochter Charlotte von Preußen (1831–1855), auf Einladung von deren Gemahl Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826–1914) im Sommer 1855 – Charlotte war kurz vorher im Kindbett verstorben.2 Im Jahr darauf bereiste Hummel offenbar erneut die Gegend am Zugang zu alten Alpenpässen, zum San Bernardino und zum Julier und brachte diese großformatige Bleistiftzeichnung zu Papier – souverän inszeniert und virtuos ausgeführt, doch nicht ohne Melancholie: zwei mächtige Bäume auf leicht abschüssigem Terrain, der vordere kahl und abgestorben, eine blattlose Ruine und dahinter, kraftstrotzend und dichtes Blattwerk austreibend, leicht rechtslastig zum Tal hin geneigt der andere. Werden und Vergehen, nicht irgendwo, sondern dort „wo die grünen, klaren Wasser des Vorderrheines mit den schwärzlich blauen Fluthen des minder großen Hinterrheines sich vermählen. Da liegt Schloss Reichenau mit dem schönen Parke, von dem aus das Auge die Vereinigung der beiden Flüsse überschaut.“3 Ein geschichtsträchtiger Ort, seit Louis Philippe, Duc d’Orléans (1773–1850) im Jahr 1793 hier für einige Monate Zuflucht fand. Helene von Orléans, die Schwiegertochter Louis Philippes, geborene Herzogin zu Mecklenburg- Schwerin (1814–1858), war im Sommer 1852 mit ihren Söhnen hierher gepilgert, „damit diese tief in ihre jugendlich empfänglichen Seelen die strengen, ernsten Wahrheiten aufnehmen möchten, die so laut, so eindringlich die Oertlichkeit selbst zu predigen schien.“4


  1. Boetticher, Friedrich von: Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Bd. I/2, Leipzig 1891, S. 595.

  2. Ebd., S. 590–591.

  3. Wittich, Alexander: Helene Louise Elisabeth Herzogin von Orléans zu Eisenach, mit Erinnerungen aus ihrem Jugendleben. Jena 1860, S. 23. Vgl.: http://opacplus.bsbmuenchen. de/title/BV021051310/ft/bsb10065575?page=33 (12.02.2017).

  4. Ebd., S. 22–24. Vgl.: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12- bsb10065575-3 (12.02.2017).

zurück zur Übersicht