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Carl Hummel

* 1821 – † 1907

Italienische Landschaft (Blick von den Albaner Bergen über Nemisee und Camgagna zum Meer)

Öl auf Papier auf Leinwand aufgezogen
29 cm41,8 cm

Bezeichnung verso von fremder Hand: Nachlaß Prof. Carl Hummel Weimar Margarete Hummel

Italienische Landschaft (Blick von den Albaner Bergen über Nemisee und Camgagna zum Meer)

Carl Hummel studierte bis 1842 unter Friedrich Preller d. Ä.1 an der Fürstlichen freien Zeichenschule Weimar. Zusammen mit Preller unternahm er Studienreisen nach England, Norwegen, Rügen und später nach Tirol und Korsika. Nach einer Reise durch Italien und Sizilien trat Hummel die Stelle eines Professors an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule zu Weimar an. Die vorliegende Studie, die in den Albaner Bergen entstand, fügt sich in das großartige landschaftliche Werk des späten Romantikers. War Hummel anfänglich noch stark von der heroischen Landschaftsauffassung Prellers geleitet, so kam er in späteren Jahren zu einer mehr an der Natur orientierten, wie es dem Zeitgeist entsprach. Die Jahre 1842 bis 1846 verbrachte Carl Hummel in Italien. Längere Aufenthalte sind für Rom, Capri und Sizilien bekannt. 2 In diesen Jahren entstand die vorliegende Landschaft, die einen Durchblick von den Albaner Bergen zum Meer zeigt. Der Dichter und Reiseschriftsteller Johann Gottfried Seume3 streifte 1802 auch die Region des Nemisees und beschreibt sie schwärmerisch: „Die Gegend ist […] eine der schönsten in Italien, und das romantische Gemisch aus Wildheit und Kultur, die hier zu kämpfen scheint, macht, wenn man aus der Oede Roms kommt, einen sonderbaren wohlthätigen Eindruck […] Die Lage ist sehr schön; Berge und Thäler liegen in dem lieblichsten Gemische rund herum, und der kleine See von Nemi, unter dem Namen der Dianenspiegel, giebt der Gegend noch das Interesse der mythologischen Geschichte.“4 Der Nemisee wird im Volksmund auch als „Spiegel der Diana“ bezeichnet, anknüpfend an Ovids Sage, wonach die Nymphe Egeria sich an die Ufer des Sees von Nemi geflüchtet habe und dort von Diana in einen vom Felsen herabstürzenden Bach verwandelt worden sei.5 Unser Bild könnte von einem Standpunkt nahe des östlich und oberhalb des Sees gelegenen Ortes Nemi aufgenommen worden sein, sodass sich am gegenüber gelegenen Ufer des Sees rechts, durch Felsen und Bäume teilweise verdeckt, Genzano di Roma mit seinem Palazzo Sforza-Cesarini erhebt. Im Bildzentrum ragt entfernt ein hoher Festungsturm vor der zum Meer hin sich flach ausbreitenden Campagna auf. Der Vortrag ist von erstaunlicher künstlerischer Freiheit, vor Ort zu Papier gebracht, die kräftigen Farbflecken weich nebeneinandergesetzt. Von einer rein malerischen Studie kann insofern gesprochen werden, als auch auf eine Vorzeichnung gänzlich verzichtet wurde. Wie dem rückseitigen Vermerk entnommen werden kann, behielt Carl Hummel die Studie immer in seinem Besitz, gewiss weil er sie selbst schätzte. Es erstaunt nicht, dass Carl Hummel bereits zu Lebzeiten ein äußerst geachteterMaler war, der sogar in den Vereinigten Staaten Kunden hatte. Dennoch geriet er nach seinem Tod in Vergessenheit. Erst 1976 kamen erstmals Werke aus seinem Nachlass zur Auktion bei Sotheby’s. Eine Fülle der Hummelschen Studien überlebte die DDR-Zeiten glücklicherweise durch ihre Lagerung im Weimarer Museum. Heute befindet sich der Großteil seines OEuvres überwiegend in Privatbesitz.


  1. Friedrich Preller d. Ä. (1804 Eisenach – 1878 Weimar).

  2. Vgl. Lebensdaten in: Wandschneider, Andrea (Hrsg.): Carl Hummel. 1821– 1907, Städtische Galerie in der Reithalle Paderborn-Schloß Neuhaus, Paderborn 2005, S. 125.

  3. Johann Gottfried Seume (1763 Poserna, Kursachsen – 1810 Teplitz, Böhmen).

  4. Seume, Johann Gottfried: Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802, Braunschweig 1803, S. 168.

  5. Vgl. Ovid Metamorphosen 15, 478–551.

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