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Carl Hummel

* 1821 – † 1907

Im Park von Schloss Biebrich

Öl auf Leinwand
50 cm36 cm

Unten links signiert, datiert und bezeichnet: C. Hummel. 1861. im Park v. Bibrich

Im Park von Schloss Biebrich

Unbefangen näherte sich Hummel dem Park von Schloss Biebrich, bis zur Fertigstellung des Wiesbadener Stadtschlosses im Jahr 1841 Residenz des Hauses Nassau und bis 1866 weiterhin dessen Sommerresidenz. Alter Baumbestand inmitten frischen Grüns ragt hoch auf unter weiß-blauem Himmel, dazwischen verjüngende Nachpflanzung. Eine flache Hecke, auf Linie gestutzt, quert das Bildfeld und zwischen Gebüsch und Strauchwerk öffnet sich der Blick, rechts auf eine Wasserfläche, links auf niedrige blühende Rabatten und höhere, auf Form geschnittene Hecken. Beiläufig kommentierte Hummel damit auch den aktuellen Stand der Gartenkunst: Friedrich Ludwig von Sckell (1750–1823) hatte den barocken Biebricher Schlossgarten in den Jahren 1817–1823 zu einem klassischen „englischen Landschaftsgarten“ umgestaltet; zu Hummels Zeiten, unter Karl Thelemann (1811–1889), 1846–1866 Herzoglich Nassauischer Gartendirektor, lag der Akzent auf der blühenden Flora, der Thelemann zwei große Ausstellungen in den Jahren 1854 und 1861 widmete, „beide glanzvoll, beide bezaubernd“.1
Die letztere wird Carl Hummel 1861 mit Interesse studiert haben, denn er war wie sein Lehrer Friedrich Preller d. Ä. mit Eduard Petzold (1815–1891) befreundet, dem Hofgärtner des Hauses Sachsen-Weimar-Eisenach, und beide, Lehrer wie Schüler, steuerten zu Petzolds Handbuch über „Die Landschafts-Gärtnerei“ (1862) die Illustrationen bei.2 Bereits 1852 hatte Friedrich von Oranien-Nassau (1797–1881) mit Petzold, ausgebildet in der Gärtnerei des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau, dessen kongenialen Nachfolger nach Muskau berufen und ihm alsbald die Aufsicht über sämtliche Gärten seines Hauses anvertraut. Die Gelassenheit, mit der sich in Hummels Biebricher Schlosspark urtümlich Gewachsenes aufs Prächtigste über bodennah Zurechtgestutztes hoch in einen heiteren Sommerhimmel erhebt, ist insofern nicht frei von Ironie.


  1. Pfister, F. J.: Gartendirektor Thelemann. Nachruf in: Neubert’s deutsches Gartenmagazin 42, 1899, S. 192; Vgl.: http://ubsrvgoobi2.ub.tu-berlin.de/viewer/fullscreen/BV002572363_42/216/ (11.02.2017).

  2. Petzold, E.: Die Landschafts-Gärtnerei (…) mit 19 landschaftlichen Ansichten nach Originalzeichnungen von Friedr. Preller und Carl Hummel. Leipzig 1862. Vgl.: http://ubsrvgoobi2.ub.tu-berlin.de/viewer/resolver?urn=urn%3Anbn%3Ade%3Akobv%3A83-goobi-625922 (11.02.2017).

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