zurück zur Übersicht

Anton von Stadler

* 1850 – † 1917

Fränkischer Wald

Öl auf Leinwand
47,5 cm53,2 cm

Signiert und datiert unten links: T. Stadler 1902 Auf der Rückseite bezeichnet: Fränkischer Wald

Fränkischer Wald

Nach abgeschlossenem Medizinstudium machte sich Toni von Stadler 1873 auf den Weg nach Berlin, um bei Paul Friedrich Meyerheim1 Unterricht zu nehmen. Nach fünf Jahren beendete er seine Ausbildung dort und ließ sich in München nieder, wo der gebürtige Österreicher bis zu seinem Lebensende bleiben sollte. In München traf er mit Adolf Stäbli2, Gustav Schönleber und Hans Thoma zusammen. Die seltenen Äußerungen zu Stadlers Kunst lassen eine zurückhaltende Persönlichkeit aufscheinen, ein Wesensmerkmal, das man auch in seiner Kunst zu erkennen glaubte.3 Da der Künstler meist zu kleinen Bildformaten griff, vermutete man auch darin einen Hang zum Understatement, zudem einen veritablen Grund, weshalb er auf Ausstellungen lange übersehen worden sei, bis hin zu der Behauptung, man habe an ihm „fleißig vorbeigeschaut“.4 Fritz von Ostini stellte für Stadler die Bedeutung der alten Niederländer und der Schule von Barbizon heraus:5 „Die klassischen Landschafts- Zeichnungen Rembrandts, die Dünenbilder des jüngeren Ruysdael, des Koningh und van der Meer von Haarlem haben auf Stadler mehr als nebensächlichen Einfluß ausgeübt. Auch die Meister von Barbizon gehören zu Stadlers künstlerischen Erziehern […]“ Barbizon habe auch für Stäbli und Otto Frölicher6, die vermutlich engsten Künstlerfreunde Stadlers, eine herausragende Rolle gespielt.7 Ostini bemerkte: „Er hat einen eigenartig guten Blick für geologische und botanische Formen.“8 Dieser eigenwillige Blick auf die Natur, der Stadlers Malerei eigen ist, könnte noch aus seinem Medizinstudium rühren. Die Zusammensetzung landschaftlicher Formen, beispielsweise die Bäume in unserem Bild, aus kleinsten Farbtupfen, die er mit spitzem Pinsel aufträgt, weckt Erinnerungen an mikroskopische Schnitte. Diese in Mischtechnik aus Tempera und Öl ausgeführte Feinmalerei – fast ein Alleinstellungsmerkmal Stadlerscher Kunst – macht seine Bilder auf Anhieb erkennbar. Die Kleinteiligkeit seiner Pinselarbeit bedingt eine gewisse Stilisierung, aber selbst auf kleinstem Format verliert Stadler nie den Blick für das große Ganze. Von Barbizon bleibt die paysage intime als Grundidee, die Stadler jedoch mit eigenen malerischen Mitteln umsetzt. Bei Ostini erfährt man, dass Stadler nie in der Natur malte, sondern lediglich zeichnete:9 „Stadler eignete sich dabei auch eine erlesene Art des malerischen Zeichnens an und brachte es hierin zu einer Vollendung, in der er nicht viel Mitbewerber haben dürfte.“ So entstanden Stadlers Ölbilder auf der Grundlage seiner Zeichnungen im Atelier, womit sie eben keine spontanen Äußerungen sind, sondern subtil durchdachte Kompositionen, die stark auf Linienführung aufbauen, was ihn wiederum mit Thoma und Stäbli verbindet, aber auch mit dem Jugendstil. Damit korrespondiert eine Vorliebe für ebene Landschaften mit hohen Himmelszonen und sommerlichen Stimmungen. Toni von Stadler zählt zu den Gründungsmitgliedern der Münchner Secession und machte sich dafür stark, dass Werke von Thoma und Stäbli ausgestellt wurden. Darüber hinaus leitete er nach dem Tod Hugo von Tschudis in den Jahren 1912 bis 1914 die Münchner Kunstsammlungen in der Pinakothek. Nicht zuletzt wurde er für seine Verdienste vom bayerischen König in den Adelsstand erhoben.


  1. Paul Friedrich Meyerheim (1842 Berlin – 1915 ebenda).

  2. Adolf Stäbli (1842 Winterthur – 1901 München).

  3. So etwa Ostini, Fritz von: Toni Stadler, in: Die Kunst, 20. Jg., Heft 4, München 1905, S. 76.

  4. Ebd., S. 73–74.

  5. Ebd., S. 77.

  6. Otto Frölicher (1840 Solothurn – 1890 München). Frölicher pflegte die paysage intime.

  7. Ostini 1905, S. 77.

  8. Ebd., S. 78.

  9. Ebd., 79.

zurück zur Übersicht